Lautsprache des Hundes  

Zur Körper- gesellt sich die Lautsprache als weitere hundliche Möglichkeiten der Kommunikation. Wölfe "sprechen" in ihrer verständlichen Formenvielfalt. Auch Schlittenhunderudel unterhalten sich wölfischer als die meisten Einzelhunde. Bei den letzten haben sich durch die menschlichen Hörzeichen einige wölfische Sprachformen verändert, beziehungsweise: sie sind verloren gegangen und durch Annäherung an die menschliche Kommunikation angepasst. Wobei Menschen die wesentlich grösseren Schwierigkeiten mit ihren Sprachen haben als die internationale Hundewelt. Logopäden schätzen, dass jeder siebte Mensch sprechgestört ist.

Wenn bei Wölfen 60 verschiedene Lautmerkmale gezählt wurden, so ist diese hohe Zahl bei Hunden scheinbar verkümmert. Das Kontaktheulen zum Beispiel. Aber nicht bei allen Hunden; die auf den Bauernhöfen lebenden Hunden mit aussenliegenden Lagern nehmen wie bei einem Rundumfunk Kontakt auf, wenn einer anschlägt. Es kommt noch vor, dass einige ursprüngliche Hunde den Mond anheulen, oder bei bestimmten künstlichen Frequenzen wie Sirenen oder Kirchglocken oder Musik in diese fremde Laute einfallen. Kommt auch ganz auf die Musik an, und das kann gut in ein Hörschmerzjaulen ausarten.

Gewohnheiten und Erfahrungen mit einem Hund lassen mehr Verständnis aufkommen. Es kommt natürlich sehr auf das Temperament des Hundes an und auf seine generelle Ausgeglichenheit. Und auf seinen Resonanzkörper. Bei einer Dogge klingt einunddieselbe "Sprache" anders als bei einem Yorkshire. Unterbeschäftigte Hunde werden vor Langeweile oder zur Demonstration kläffen.

In der Stadt ist dies häufig der Fall. Da baut so ein Wohnungshund, oft acht Stunden alleingelassen, zur Wiederkehr seiner Besitzer eine grosse Erwartungshaltung auf, und darf dann zur Strafe einmal kurz eben um den Häuserblock. Grosse Hunde als stumme Lauftiere und ihre nervösen Menschen als hektische Bürohocker - das passt nicht zusammen. Man kann sich aber arrangieren: Halbtags arbeiten, wenigstens sollte der erwachsene Hund nicht länger als vier Stunden allein sein, und dann nichts wie raus zusammen, gemeinsam toben wir uns aus. Und dann gibt es kein Wehklagen mehr. Zufriedene Hunde kläffen nicht. Aber sie sagen auch damit etwas aus.

Ich zähle hauptssächlich 17 lautsprachliche Unterschiede bei Hunden: Aggressionsbellen, -geifern, Angstschreien, Aufforderungsbellen, Unsicherheitsgähnen, Drohknurren, Sozialbellen, -heulen, -knurren, Ernstkampfschreien, Lustgrienen, Schmerzwinseln, -schreien, Seelenschmerz-, Hörschmerzjaulen, Wachsamkeitsbellen, Warnknurren.

Ich kann aus meinen Hunden ebenfalls viele Ton- und damit Stimmungsarten heraushören. Ich könnte sogar bestimmen, was sie gerade verwarnen, oder was sie sich zu "sagen" haben. Die Lautvariationen vervielfältigen sich zu alter Wildrudel-Herrlichkeit, wenn Hunde nicht allein leben müssen und sich ihrer stimmlichen Möglichkeiten wieder bewusst werden. Ein Kleinsthund wird für denselben Anlass seiner Lautsprache viel schriller, wesentlich hochfrequenter "sprechen" als ein grosser Hund, der aus vollem Resonanzkörper schöpft. Ob Ernst oder Spiel: Wenn Riesenhunde miteinander spielen und dabei gutgelaunt knurren, klingt das wie ein herannahendes Gewittergrollen. Ist aber gut gemeint.

Gleiche Stimmungen können also wegen höchst unterschiedlicher Resonanzböden (Brustvolumina) auch unter Hunden grösste Verwirrung stiften. Ganz ähnlich reagieren Hunde auf schrille, hochfrequente Töne: aufgeregt. Tiefe, sonore Töne hingegen beruhigen Mensch wie Tier. Halter, die mehrere Hunde ihr eigen nennen wie zum Beispiel Schlittenhundesportler, kommen freilich nicht ohne zeitweilige Brüller herum. Der Grundpegel der Hunde ist für sanfte Töne zu leise. Da muss man sich auch stimmlich ab und zu deutlicher durchsetzen, damit der menschliche Rudelboss erhört wird - er hat nicht so viele Mittel wie ein Alpha-Hund. Wer jedoch immer brüllt, wird bald nicht mehr erhört. Weil auch die lauteste und zornigste Stimme abstumpft und damit unwirksam wird. Auch hier ist Flexibilität angesagt.

Im Folgenden stelle ich eine grobe Unterscheidung zur näheren Bestimmung vor:

Hunde-Lautsprache und was sie uns sagt:


        Quelle   hundezeitung