| Hundekot belastet die Landwirtschaft Hintergründe | |
|
Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere +++ 26.04.2004 +++ Homepage des Landesbauerverbandes Ein anrüchiges und gefährliches Thema Viele Hundehalter finden nichts dabei, ihre Tiere beim Ausführen auf Feld- oder Spazierwegen in angrenzenden Wiesen oder Äckern abkoten zu lassen. Erntet der Landwirt dort Grünfutter oder Heu, dann wird der Hundekot durch die Mäh- und Erntemaschinen fein im Futter verteilt. Wie Gerd Hockenberger, der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), am 26. April bei einem Pressegespräch in Leinfelden-Echterdingen berichtete, führt dies nicht nur dazu, dass die Tiere das mit Hundekot verunreinigte Futter wegen der Geruchsbelästigung kaum noch fressen. Schwer wiegender ist, dass im Hundekot enthaltene Keime bei Rindern Krankheiten auslösen können, die für einen landwirtschaftlichen Betrieb erhebli-che negative Folgen haben.Auslöser ist ein winziger Einzeller mit der lateinischen Bezeichnung Neospora ca-ninum. Für diese im Körper von Rindern, Schafen oder Ziegen vorkommenden Einzeller sind Hunde ein so genannter Endwirt. In ihrem Darm bilden sich die äu-ßerst widerstandsfähigen Keime von Neospora caninum, die so genannten Oo-zysten. Sie werden mit dem Hundekot ausgeschieden und sind im Futter, in der Erde oder im Wasser über Wochen oder gar Monate lebensfähig. Tote Rinder durch Hundekot: Hunde über Plazenten infiziert Tod aus dem Hundekot Weitere Informationen sind in der Zeitung Hundesport Ausgabe 04/2004 zu finden. |
| Diagnostik und Epidemiologie Neospora caninum-assoziierter Verkalbungen beim Rind bfav F.J. Conraths, G. Schares Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere Institut für epidemiologische Diagnostik Seestraße 55 D-16868 Wusterhausen Zusammenfassung Neospora caninum, ein erst vor wenigen Jahren entdeckter protozoärer Parasit, der nahe mit Toxoplasma gondii verwandt ist, wird weltweit als bedeutender Aborterreger beim Rind angesehen. N. caninum besitzt ein breites Wirtsspektrum. Der Hund kann dem Parasiten als Endwirt dienen. Die Infektion wird beim Rind mit hoher Effizienz diaplazentar übertragen, wobei die Mehrzahl der diaplazentar infizierten Kälber bei und nach der Geburt klinisch unauffällig ist. Dafür, dass auch eine horizontale, post-natale Übertragung der Infektion auf das Rind stattfindet, gibt es epidemiologische und experimentelle Anhaltspunkte. N. caninum-assoziierte Aborte können epidemisch (seuchenhaft) oder endemisch in einer Herde auftreten. Vereinfacht ausgedrückt kommt es bei horizontaler, post-nataler Übertragung eher zu epidemischen (seuchenhaften) Aborten und bei vertikaler Infektion der Mütter eher zu endemischen Aborten. Die klinische Symptomatik der Neosporose des Rindes beschränkt sich auf das Auftreten von Aborten, Totgeburten und die Geburt lebensschwacher Kälber. Pathohistologisch wird bei N. caninum-assoziierten Aborten am häufigsten eine multifokale, nonsuppurative Enzephalitis gefunden. Der Erregernachweis lässt sich mit Hilfe der Immunhistologie und der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) führen. Indirekt lässt sich die Infektion mit Hilfe serologischer Verfahren diagnostizieren. Vorschläge zur Diagnose, der epidemiologischen Bewertung von N. caninum-assoziierten Abortproblemen in Rinderherden sowie zur Prophylaxe werden unterbreitet. Einleitung Neospora caninum (Apicomplexa: Eimeriina: Sarcocystidae) ist ein protozoärer Parasit, der erstmals im Jahre 1984 bei Hunden mit Enzephalomyelitis und Myositis identifiziert wurde. Inzwischen steht fest, dass N. caninum ein sehr breites Wirtsspektrum besitzt. Kürzlich wurde gezeigt, dass Hunde nach Verfütterung infizierter Mäuse zur Ausscheidung von Oozysten (Dauerstadien) im Kot gebracht werden können, die ihrerseits wieder in Mäusen Neosporose auslösten. Damit steht fest, dass der Hund ein Endwirt für N. caninum ist. Der einzige beim Rind gesicherte natürliche Infektionsweg, der auch bei anderen Tierarten, insbesondere auch beim Hund nachgewiesen wurde, besteht in der diaplazentaren Infektion. Kälber können experimentell auch auf oralem Wege mit Tachyzoiten oder Oozysten infiziert werden. Zunächst bleibt jedoch noch offen, ob die orale Infektion von Kälbern unter natürlichen Bedingungen vorkommt und welche epidemiologische Bedeutung ihr gegebenenfalls beizumessen ist. Neosporose des Rindes Die Neosporose gehört weltweit zu den am häufigsten diagnostizierten infektiösen Abortursachen beim Rind. In Kalifornien wurde bei 18-19% der eingesandten Föten Infektionen mit N. caninum festgestellt. In Schottland wurden bei 15,9% der untersuchten Föten Hinweise auf eine diaplazentare Infektion mit N. caninum gefunden. In Großbritannien werden jährlich etwa 6.000 Aborte auf Infektionen mit N. caninum zurückgeführt. In den Niederlanden wurde bei der Untersuchung von 2.053 an den Tiergesundheitsdienst Drachten eingesandten Föten bei 17% die Diagnose Neosporose gestellt. In einer weiteren Studie, die sich auf die nördlichen Niederlande bezieht, wurde der wirtschaftliche Schaden, der durch N. caninum-Infektionen beim Rind entsteht, auf 1,4-3,5 Millionen Gulden jährlich für eine Population von 320.000 tragenden Rindern beziffert. Eine amerikanische Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss, dass die N. caninum-Infektion von Milchkühen auch mit Einbußen in der Milch- und Mastleistung verbunden sein kann. Klinische Manifestation Bei infizierten Färsen und Kühen beschränkt sich die klinische Symptomatik der Neosporose auf das Auftreten von Verkalbungen und Totgeburten. Die Verkalbungen treten ab dem dritten Trächtigkeitsmonat auf. Das Intervall, in dem sich die Verkalbungen ereignen, reicht etwa von Tag 110 bis Tag 260 nach der Besamung. Infizierte Föten können intra abortem frisch sein, sind meistens aber mumifiziert oder im Stadium der Autolyse. Insgesamt muss betont werden, dass die Mehrzahl der diaplazentar mit N. caninum infizierten Kälber überlebt und auch nach der Geburt klinisch unauffällig ist. Pathohistologie bei abortierten Rinderföten Im Zusammenhang mit einer N. caninum-Infektion abortierte Föten oder totgeborene Kälber weisen keine typischen makroskopisch erkennbaren Veränderungen auf. Pathohistologisch lassen sich überall im Gewebe, vor allem aber im Zentralnervensystem (ZNS), dem Herz, in der Skelettmuskulatur und in der Leber degenerative und entzündliche Veränderungen feststellen. Charakteristisch ist eine multifokale, granulomatöse, teils granulomatös-nekrotisierende Enzephalitis. Seltener treten eine multifokale nonsuppurative Epicarditis und Myocarditis, eine multifokale, nonsuppurative Myositis und eine nonsuppurative, portale Hepatitis auf. Gelegentlich wird N. caninum auch in der Plazenta gefunden. Im Gewebe anzutreffende Tachyzoiten sind von halbmondförmiger oder ovoider Gestalt und in Abhängigkeit ihres Teilungsstadiums 3-7 µm lang und 1-5 µm breit. Gewebezysten besitzen einen Durchmesser von bis zu100 µm und weisen eine 1-4 µm dicke Zystenwand auf. Differentialdiagnostisch zu N. caninum sind allenfalls Sarcocystis-Infektionen zu nennen. Durch Sarkosporidien verursachte Verkalbungen scheinen bei Rindern in Deutschland allerdings selten zu sein. In den aufgrund einer Sarkozystiose abortierten Föten lassen sich selten Parasitenstadien nachweisen. Toxoplasma gondii, ein Protozoon, das eng mit N. caninum verwandt ist und bei kleinen Wiederkäuern eine große Bedeutung hat, wird beim Rind nicht als Aborterreger angesehen. Epidemiologie In einigen epidemiologischen Analysen von N. caninum-assoziierten seuchenhaften Verkalbungen in Rinderherden deutet die Kinetik der Abortgeschehen in den Herden auf eine Punktquelle als Ursache hin. Ein solcher epidemischer Verlauf der Infektion, bei dem ein erheblicher Prozentsatz innerhalb weniger Wochen abortieren kann, ist insbesondere zu erwarten, wenn eine ungeschützte Herde postnatal mit dem vom Endwirt ausgeschiedenen Infektionsstadium des Parasiten (Oozysten) konfrontiert wird. Der Einfluss des Endwirts und der von ihm ausgeschiedenen Oozysten auf die Epidemiologie der Neosporose muss allerdings mit der epidemiologischen Bedeutung der vertikalen, diaplazentaren Übertragung der Infektion von der Kuh auf den Fötus verglichen werden. Die vertikale Übertragung der N. caninum-Infektion erfolgt beim Rind außerordentlich effektiv. In einzelnen Herden sind 90% der Nachkommen von seropositiven Müttern selbst infiziert. Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass N. caninum-Infektionen sich über mehrere Generationen in einem weitgehend konstanten Prävalenzbereich in einer Herde halten können, ohne dass die Notwendigkeit einer postnatalen Verbreitung erkennbar wäre. Das Vorhandensein der Infektion in der Herde bleibt oft unerkannt, da die meisten diaplazentar infizierten Kälber bis zum Geburtstermin überleben und bei der Geburt und danach klinisch unauffällig sind. Neben seuchenhaften N. caninum-assoziierten Aborten werden auch endemische Aborte mit N. caninum-Infektionen in Verbindung gebracht. Auch in Deutschland wurden sowohl epidemische als auch endemische Verkalbungen nachgewiesen, die mit N. caninum-Infektionen assoziiert waren. Bedingt durch ein begrenztes Wissen über die Epidemiologie und Pathogenese der N. caninum-assoziierten Aborte kann die Bedeutung der endemischen Aborte, die mit N. caninum-Infektionen in Zusammenhang stehen, zur Zeit nicht abgeschätzt werden. Klar ist jedoch, dass seropositive Kühe in infizierten Herden mit endemischen Aborten gegenüber seronegativen Kühen einem zwei- bis dreifach erhöhten Risiko des Verkalbens unterliegen. Endemische N. caninum-assoziierte Aborte treten eher bei vertikal infizierten Rindern auf. Bei der epidemischen Form der Neosporose können aber wesentlich mehr Rinder abortieren (teilweise über 50% der trächtigen Tiere). Das Risiko, dass mutmaßlich diaplazentar infizierte Rinder während der ersten oder zweiten Trächtigkeit abortieren, ist gegenüber gleichaltrigen seronegativen Tieren deutlich erhöht. Wiederholte N. caninum-assoziierte Aborte beim Einzeltier sind beschrieben worden. Das relative Risiko für erneute Aborte im Vergleich zu seronegativen Tieren liegt in einer Studie bei 3-6. Diagnostik Erregernachweis Bei der Untersuchung abortierter Föten kommt der histopathologischen Untersuchung eine zentrale Bedeutung zu. In diese sollten Gehirn, Herz und Leber einbezogen werden. Der Befund einer multifokalen, nonsuppurativen Enzephalitis sowie der Nachweis von Gewebezysten oder Tachyzoiten im Gehirn oder von Tachyzoiten in anderen Organen gestatten eine Verdachtsdiagnose, die mit Hilfe der Immunhistologie oder der PCR bestätigt werden muss. Es gelingt nicht in jedem mutmaßlich N. caninum-assoziierten Abortfall, den Parasiten nachzuweisen, weil die Zahl der im fötalen Gewebe vorhandenen Stadien gering sein kann. Serologie Die Diagnose der N. caninum-Infektion kann am lebenden Rind fast ausschließlich durch Antikörpernachweis gestellt werden. Ein indirekter Immunfluoreszenztest, Immunblots, direkte Agglutinationstests und mehrere ELISAs sind beschrieben. Serologische Testbestecke sind im Handel erhältlich. Experimentell infizierte Rinder serokonvertieren innerhalb von 7 bis 22 Tagen nach der Infektion. Die Antikörper bleiben in der Regel über viele Monate, wenn nicht Jahre oder lebenslang, nachweisbar. Diagnostisches Vorgehen Zum diagnostischen Vorgehen bei Neosporoseverdacht wird folgendes empfohlen: · Abortierte Föten sollten einer histologischen Untersuchung (Gehirn, Herz, Leber, gegebenenfalls Plazenta) zugeführt werden. Für immunhistologische Untersuchungen vorgesehene Gewebe sollten in neutral gepuffertem Formalin fixiert und Proben für die PCR unfixiert eingefroren (mindestens -20°C, besser -80°C) werden. · Rinder, die verkalbt haben, sollten serologisch auf Antikörper gegen N. caninum untersucht werden. · Haben in einem Zeitraum von 6 Wochen mehr als 15% der zwischen dem 100. und 260. Tag trächtigen Rinder verkalbt, reicht es zunächst aus, die Rinder zu untersuchen, die sich in dieser Phase der Trächtigkeit befinden (Untersuchung auf epidemische Neospora-assoziierte Aborte). Auf die Untersuchung nicht tragender Tiere kann verzichtet werden. · Wenn weniger Tiere verkalbt haben oder sich die Aborte über lange Zeiträume erstreckten, ist es erforderlich, alle der Reproduktion dienenden weiblichen Tiere zu untersuchen (Untersuchung auf endemische Neospora-assoziierte Aborte). Die sich anschließende statistische Analyse einer Vierfeldertafel (Abort/seropositiv; Abort/seronegativ; kein Abort/seropositiv; kein Abort/seronegativ) mit Hilfe des Chi-Quadrat- oder Fisher’s Exact Tests erlaubt eine Aussage darüber, ob mit einer bestimmten Irrtumswahrscheinlichkeit (üblicherweise 5% oder 10%) eine Assoziation zwischen Abortrisiko und Seropositivität gegenüber N. caninum vorliegt. Es muss mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass die bei Einzeltieren (an abortierten Föten und deren Müttern) erhobenen Befunde nur für die Beurteilung dieser Einzelfälle ausreichen. Für die Beurteilung der Bedeutung von N. caninum als Bestandsproblem sind sie nicht aussagekräftig. In den Betrieben gehaltene Hunde können grundsätzlich serologisch untersucht werden, allerdings liefern die Untersuchungsergebnisse keine Aufschlüsse zur Bewertung des Infektionsgeschehens beim Rind, weil nicht alle infizierten Hunde serokonvertieren und weil bei einem positiven serologischen Befund unklar bleibt, ob sich der Hund beim Rind angesteckt hat oder umgekehrt. Prophylaktische Maßnahmen Sinnvolle therapeutische Ansätze zur Behandlung der Neosporose des Rindes sind nicht bekannt. · Prophylaktisch und zur Bestandssanierung kann die gezielte Verwendung seronegativer, das heißt mutmaßlich nicht infizierter, weiblicher Tiere für die Zucht geeignet sein. Insbesondere bei besonderen Produktionsformen (Rezipientinnen bei Embryotransfer) sollten solche Maßnahmen in Erwägung gezogen werden. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass der gezielte Aufbau serologisch negativer Bestände das Risiko birgt, dass eine naive, für den Erreger oder die pathologischen Folgen der Infektion eventuell vermehrt empfängliche Population geschaffen wird. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass trotz der gesicherten großen Bedeutung der vertikalen Übertragung der Neosporose die Rolle der möglichen horizontalen Infektionsausbreitung, zum Beispiel durch die von einem Endwirt ausgeschiedenen Infektionsstadien, zur Zeit nicht abgeschätzt werden kann. · Weil Hunde in den Infektionszyklus von N. caninum involviert sind, sollte sichergestellt werden, dass diese keine Möglichkeit erhalten, Abortmaterial oder Nachgeburten zu fressen. · Die Aufnahme von Nachgeburten durch andere Rinder sollte durch unverzügliche hygienische Entsorgung der Secundinae vermieden werden. · Es sollte sichergestellt werden, dass Futter nicht mit Hundekot kontaminiert werden kann. · Futter sollte weitgehend frei von Nagern gehalten werden, da nicht auszuschließen ist, dass diese Tiere als Zwischen- oder Transportwirte dienen können. Stand: 31.01.05 |
| Übertragung
lgl Bayern Hunde müssen sich erst selbst infizieren um dann andere Tierarten, z.B. Rinder, über die Eierausscheidung anstecken zu können. Wahrscheinlich häufigste Infektionsquelle für Hunde sind abortierte Früchte und Fruchthüllen bzw. Nachgeburten von infizierten Tieren. Verbreiter der Neospora caninum-Infektion sind Hunde, die Zugang zu Abort- und Nachgeburtsmaterial (Stall, Misthaufen) haben und gleichzeitig ihren Kotabsatz auf einer Futterwiese (evtl. sogar Futtertisch) verrichten können. Hauptsächlicher Überträger ist somit der eigene Hofhund bzw. Nachbarhund, der ähnliche Möglichkeiten zum Betreten des Hofes besitzt. Eine weitere Infektionsmöglichkeit für Hunde besteht durch Verfütterung von rohem Fleisch. Außenstehende (fremde) Hunde, z.B. Stadthunde, sind in aller Regel von diesem Infektionsgeschehen (Dosenfütterung!) ausgeschlossen. Über Hundekot ausgeschiedene Parasiten-Eier (Oozysten) durchlaufen außerhalb des Körpers eine kurze Reifungsphase (Sporogonie) und erweisen sich dann als äußerst widerstandsfähig, d.h. sie können Wochen bis Monate im Futter oder Wasser überleben. Eine Übertragung auf den Menschen ist derzeit nicht bekannt und auch noch nicht nachgewiesen worden. Eine weitere Möglichkeit der Erregereinschleppung in den Bestand ist der Zukauf von infizierten weiblichen Rindern, welche die Infektion auf ihre Nachkommen „weiter vererben“. Dies trifft auch für infizierte Trägertiere beim Embryotransfer zu. |
| Panikmache um die Neosporose, die Verteufelung von
Hunden als Verursacher von Rinderaborten VDH-News - Infektionen durch Hundekot? Seit einiger Zeit gibt es eine unsachliche und emotional geführte Diskussion ber die Auswirkungen von Hundekot für die Gesundheit von Kühen. Der Verband ür das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. veröffentlicht im folgenden zu dieser hematik ein Gutachten führender Parasitologen, um zur Versachlichung der Diskussion beizutragen. „Wider die Panikmache um die Neosporose - die Verteufelung von Hunden als Verursacher von Rinderaborten“ Von Prof. Dr. H. Mehlhorn, Prof. Dr. A.O. Heydorn und Prof. Dr. E. Schein In jüngster Zeit wurden Bauern durch aufgebauschte Presseberichte, aber auch durch Aktionen von Bauernverbänden verunsichert. Ausgangspunkt ist, dass der Neospora caninum genannte parasitische Einzeller (im Kot von Hunden) angeblich für ungefähr 1/3 aller Rinderaborte verantwortlich ist Eine generelle Zunahme der Aborte wurde zudem nicht nur zwischen den Zeilen angedeutet. Die wissenschaftlich gesicherten Ergebnisse zeigen bei nüchterner Bewertung aber, dass kein Anlass zur Panik gegeben ist und dass erst recht kein Grund für eine Verteufelung von Hunden und insbesondere derer der Spaziergänger besteht. Die folgenden Fakten sind zu betrachten: 1. Richtig ist, dass im Hundekot ein Einzeller ausgeschieden wird, der von Heydorn 1973 beschrieben und später von Dubey Neospora caninum genannt wurde. Dieser Erreger führt bei gesunden Tieren (Rind, Ziege, Maus, Ratte, Hund) aber zu keinerlei Krankheitssymptomen. Krankheitssymptome kann man nur erzeugen, wenn die Tiere experimentell vor der Infektion mit Cortison etc. vorbehandelt werden, was zu einer Schwächung des Immunsystems führt. 2. Nicht einmal erwiesen ist, dass Hunde, die serologisch positiv sind, auch ausgeschieden haben. Sie könnten auch nur selbst Träger des Parasiten sein und somit Antikörper produzieren. 3. Richtig ist, dass bei gesunden Kühen häufig sog. Antikörper gegen diesen Einzeller nachgewiesen werden können. Diese Antikörper finden sich in Australien in bis zu 20% der Kühe, in Deutschland oft bei 5% der Tiere. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Parasit auch noch anwesend ist. 4. Richtig ist, dass bei einer Anzahl von abgetöteten oder krank Geborenen Föten von Rindern und (noch seltener) von Hunden Stadien von Neospora nachgewiesen wurden. 5. Falsch ist, dass dieses Auffinden von Parasiten der endgültige Beweis ist, dass die Parasiten die tatsächliche oder alleinige Ursache für denAbort sind. Der wissenschaftliche Beweis, dass Neospora für sich alleine Aborte auslöst, wurde bisher nicht erbracht. Die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe (Autoren Dr. S. Schmidt, Dr. Zioleck, Dr. S. Grundlach) hat allein 17 Gründe für Rinderaborte aufgelistet, die auf Infektionen zurückgehen weitere existieren sicher auf Grund genetischer Zuchtfaktoren oder Stoffwechselerkrankungen. Diese anderen möglichen Ursachen wurden bei den Untersuchungen der abortierten Föten nicht oder nicht vollständig ausgeschlossen. Es ist bei der Sachlage der gering gradigen Vermehrung von Neospora in gesunden Tieren offenkundig, dass sich Neospora als "Trittfahrer³ in kranken Föten ausbreitet. Dies wird auch dadurch belegt, dass z.B. in Australien bei Herden mit 20%iger Durchseuchung mit Neospora zum Teil überhaupt keine Aborte auftraten.
|