| Allerlei
über das Verhalten unserer Hunde
Quellen: Verschiedenste Literatur (von Zeitungen über Bücher bis hin zu Zeitschriften etc.), Erfahrungen erfahrener Hundeleute, Querbeet durch das Internet, Seminare und Vorträge etc. etc. Diese Informationen dienen nur zum besseren Verständnis unserer Hunde. Sollte ich irgendwelche Copyrights übersehen oder unwissentlich verletzt haben, bitte ich um Mitteilung. |
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Duftsignale bei Hunden Die soziale Beißhemmung beim Hund Körper- und Lautsprache des Hundes Einer der grössten - überheblichen - menschlichen Irrtümer ist die Behauptung, Tiere könnten nicht sprechen. Wir meinen mit „Sprache" nur Sätze mit menschlichen Lauten. Tatsache ist: Tiere besitzen vielfältige Sprachen. Nur verstehen die meisten Menschen sie nicht, oder selten, oder falsch. Wenn Menschen lächeln und dabei ihre Zähne zeigen, kann das ehrlich sein oder geheuchelt. Wenn Hunde ihre Zähne zeigen, ist das weder geheuchelt noch zum Lachen. Sie drohen. Doch beide können von ihren unterschiedlichen Gesten und Mimiken, ihrer verschiedenen Körper- und Lautsprache lernen. Selbst die Verkümmerung ursprünglicher Rudelkommunikation von Wölfen zu unseren Haushunden lässt noch erkennen, wie sich Hunde untereinander laut- und körpersprachlich verständigen. In abgelegenen Gehöften ist dies noch erhalten geblieben, wenn sich ein Hofhund meldet, schlagen die anderen in der näheren (hörbaren) Umgebung in die Hunde-Nachrichtenmeldung ein. Der Ring an Anwesenheit erklärt die zwangsweise getrennte Rudel-Unterhaltung. Manche Hunde quatschen auch dabei zu viel. Wegen Unterbeschäftigung in Einzelhaft. Zuerst sollten wir begreifen, dass der gesunde Hund besser hört als wir. Also ist kein Geschrei nötig. Schreien verrät nicht nur Hunden Unsicherheit und Aggressivität. Die deutsche Sprache ist eine hervorragende Dienstsprache, weil sie zischt und hart klingt. Aber Sitz und Platz, Los und Fass klingen zu ähnlich. Die englische Sprache unterscheidet für den Hund deutlicher: „Down" für „Platz", „Sit" für „Sitz". Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeiten „niederlegen" und „sitzen" ist für den Hund klar, zumal „down" angenehmer, beruhigender klingt. Um bei der deutschen Sprache mit vielen Zischlauten zu bleiben, sollten wir demnach das „Sitz!" vom „Plaaaatz" deutlicher trennen. Sprechen Sie „Platz" also gedehnter, tiefer aus. Ein „Pass auf!" können Sie dann schärfer, anregender sprechen. Dazu dient das schärfer gesprochene „Passss". Alle diese Gebots-Hörzeichen können verständlich ohne Geschrei ausgesprochen werden. Wie wollen Sie mal stärker betonen, wenn Sie schon aus vollem Halse schreien? Jedes denkende Lebewesen stumpft ab, wenn Gebote und Verbote immer in der schrillsten Tonart befohlen werden. Wie doch bei uns Menschen auch. Wenn Sie moderat, ruhig sprechen, können Sie schon mal, wenn der Hund versucht, das Hörzeichen zu ignorieren, deutlicher betonen. Um dann wieder mit ruhigem Ton weiterzusprechen. Lernen Sie, die Gebots-Hörzeichen von den Verbots-Hörzeichen auch unterschiedlich zu betonen, und der Hund hört immer häufiger (darauf), weil er ebenfalls das angenehme Gebot vom unangenehmen Verbot unterscheiden kann. Monoton gesprochene Hörzeichen - ob Verbot oder Gebot - sind nicht zu unterscheiden. Wenn man aus lauter Unsicherheit zwischen die klaren Hörzeichen einen menschlichen Satz einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit. Folge: Der Hund weiss nicht mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich vier, fünf Jahre an Sie gewöhnt hat, dann weiss er, was Sie meinten. Vielleicht. Aber bis zu diesem Verständnis war es ein adrenalinreiches Leben. Ihr Hund folgte vielleicht nur aus blindem Gehorsam, Einfühlungsvermögen, Druck oder Angst. Mit zunehmender Gewöhnung an Ihre sprachlichen und körperlichen Eigenarten findet der Hund heraus, was sie ihm bedeuten. Er lernt, mit zunehmendem Alter feinere Unterschiede herauszuhören. Der ganze tierische Sprechunterricht ist natürlich dann für die Katz, wenn andere Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das sein, was für ihn angenehm ist. Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Hass. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt. Auch wenn er nicht auf geschrieenen Befehl nicht folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tun, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal. Loben muss man können. Wo und wie loben? Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter (und nicht nur angedeuteter) Leistung - und kein Selbstlob! Manche tragen prallgefüllte Leckerle-Tüten mit sich und verteilen rundum und alle Minuten. Das ist nur Eigensucht: „Guckt nur, alle Hunde kommen zu mir!" Die Hunde nehmen es, klar, aber nicht als Lob. Sie wollen doch auch nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden? Also loben (kraulen, streicheln) Sie ihn dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund. Das heisst nicht, dass Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgend wann einmal doch herkommt. Ignorieren Sie es und korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Ihnen hilft. Sie müssen ihn überzeugen, dass Sie interessanter sind als der Hund da drüben. Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob. Richtig: Wenn er - nach Ihren verständlichen Zeichen - was korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, munter ihn zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche Missverständnisse kennen Sie ja: der joviale Schulterschlag unter Menschen kann das Gegenteil von Lob bedeuten. Ihr Hund wird spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keinen Anschiss zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund. Management by Motivation. Soll auch im Berufsleben wirken. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass man ihn überhaupt kennt. Verstehen heisst vergleichen. Der Urahn Wolf braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte Regeln weil er ein sehr soziales Rudeltier ist - ja sein muss - um so gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden. Diese Ordnung ist biologisch. Wir haben damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund beherrscht - wenn er es von Klein auf lernen durfte - die Regeln der Hundesprache. Im Vergleich zum Wolf sind sie freilich, wegen dem Umgang mit Menschen, geändert. Man kann nicht sagen, reduziert. Sie haben sich nur dem Menschen angepasst, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war. Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das tierliche Verständnis wesentlich leichter, schlussendlich das Miteinander logischer. Das heisst: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können. Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen differieren. Das spielauffordernde Knurren eines Herdenschutzhundes klingt viel dumpfer und tiefer, für kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings. Der Resonanzboden des Brustkorbs macht die Töne: Bass gegen Flöte. Die bauartbedingten Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Herdenschutzhunde wirken nur schwerfällig. Sie erstaunen dann unwissentliche Beobachter durch vergleichsweise grosse Behendigkeit. Die Spielaufforderung eines extrem niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die eines hochläufigen Hetzhundes. Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 80 Kilo oder/und 80 Zentimeter Schulterhöhe misst. Hunde in ihrer angezüchteten oder naturbelassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäss. Die beiden Extreme Jagdteckel und Irish Wolfhound machen es deutlich. Die Beispiele Schlittenhund oder stehohrige Schäferhunde zeigen viel deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme. Das Kupieren von Ruten und Ohren, ein mimik- und sichtbehinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und muss. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als ein dumm gehaltener. „Ausbildung" ist auch wörtlich zu verstehen. Es gibt kein eindeutigeres Beispiel zur optischen wie psychischen Beurteilung als ein möglichst wolfsähnlicher Typus. Die Schlittenhunde Husky oder Alaskan Malamute sind ebenso mustergültig wie die stehohrigen Schäferhunde aller Schläge. Selbst schlappohrige Herdenschutzhund, Schäfer- (Hirten-) oder Hofhunde zeigen ein deutliches Gehabe. Auch sie haben alle Signale dran, die Menschen und Hunde zur Beurteilung brauchen. Dabei ist der stockhaarige (mittlere Haarlänge) Hund - eben mit einem wolfsähnlichen Kleid - noch zu bevorzugen, denn nur an ihm vermögen sich Nackenhaare noch zu sträuben. Vergleichen heisst auch hier verstehen beziehungsweise unterscheiden: Ein Sumoringer ist wesentlich bewegungspassiver als ein Fliegengewichts-Karateka, ein Zwei-Meter-Riese steifer als ein Pygmäe, ein drahtiger Extremsportler agiler als ein asthmatischer Stubenhocker. Ein Kleinkind ist unbeholfener als ein gestandenes Mannsbild oder eine umsichtige Mutter. Biologisch, oder? Hunde sind freilich ungleich frühreifer als Menschen, wie alle unkomplizierten höheren Lebewesen. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch das Einschätzen des Alters. Früher ging man etwas schlicht davon aus, dass ein Hundejahr etwa sieben Menschenjahren entspricht. Zur Zeit kursiert die Relation: erstes Hundejahr gleich 14 Menschenjahre. Stimmt auch nicht mehr. Die Formel ist zu einfach. Das wissen wir heute wesentlich genauer. Aus den genannten physischen und psychischen Arten ergeben sich grosse Unterschiede. Grosse Hunde sind Langsamentwickler. Kleine sind früher „reif". Ein Kleinterrier zum Beispiel ist, pauschal geurteilt, mit zehn Monaten schon erwachsen, ein riesiger Herdenschutzhund dagegen erst ab zwei Jahren. Dabei dürfen auch die artgemässen Temperamente nicht unterschlagen werden, siehe die Extreme Kleinterrier oder Riesen. Es gibt auch innerhalb dieser Grössenordnungen Unterschiede. Ruten- und ohrenkupierte, gebäudedegenerierte Qualzuchten, hör- oder sehbehinderte Hunde sind unnatürlich in ihrer Kommunikationsvielfalt eingeschränkt. Kommen wir also, zum besseren Verständnis, wieder auf den "normalen" Hund. Die Körpersprache des Hundes ist immer noch sehr vielschichtig. Am schlechtesten zu erkennen ist sie bei Hunden, deren Signalgeber zurückgebildet wurden, wie zum Beispiel beim Bobtail, der sein Gesicht unter dem überlangen Fell nicht zu erkennen gibt, dessen Rute kupiert ist. Die besten Signalgeber sind Hunde mit deutlichen Körpermerkmalen wie beispielsweise Schäferhunde oder Schlittenhunde. Ihre Stehohren - eben dem Wolf ähnlich - und ein Fell samt Rute, die Veränderungen deutlich erkennen lassen, beweisen, dass die wölfischen Signale ihren Sinn haben. Woran erkennt man am deutlichsten einen dominanten (beherrschenden) Hund - meist Rüden? Am erregten Dominanz-Scharren mit den Hinterläufen nach dem Markieren (Urinieren) seines vermeintlichen Reviers, zusätzlich gesträubten Nackenhaaren. Den ängstlichen an eingeklemmter Rute, unterwerfender Körperhaltung und zurück- gelegten Ohren. Was meinen Sie: Wie viele grundsätzliche Signale kann ein Hund allein mit seinen Körperteilen aussenden? Es sind ca. 13 unterscheidbare Körpersignale mit 71 Kriterien. Natürlich sind Kopf, Rute, Ohren, Fang die wichtigsten Zeichen. Aber dazu zählen noch viele Feinheiten (Unterabteilungen), die Sie mit Übung erkennen können. Psychologen nennen das Blickschulung. Daran erkennt man nicht nur psychische, sondern auch gesundheitliche Befindlichkeiten, zu der auch die entsprechende Pflege gehört. Und die momentane Befindlichkeit. Geht es Ihnen nicht auch so: Vor Parties oder Prüfungen müssen Sie immer auf die Toilette, oder Sie sollten es? Ihr Zustand: besch***en. Oder: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Warum sollte es da einem Hund anders ergehen? Gestresste und gehemmte Lebewesen sehen so aus. verklemmt, bedrückt, alles andere als locker. Die körpersprachlich deutlichsten Kriterien sind Rute, Lefzen, Gebäudehaltung, Ohrenstellung und Blickrichtung. Weitere Differenzierungen sind artgemässe Grundhaltungen der Ruten. Spitze, Schlittenhunde oder die meisten Herdenschutzhunde tragen sie in „Normalstellung" stark nach oben gerollt, Schäferhunde tragen sie gerade bis leicht abwärts fallend, Hetzhunde dagegen oft stärker abwärts. Das Kupieren der Rute ist eine körpersprachliche Behinderung. Die Hunde müssen ersatzweise mit dem ganzen Hinterteil „wedeln"; ein Erkennen der Launen ist für Hunde und Menschen schwieriger. Kurze Haare tun sich naturgemäss schwer beim Sträuben, überlange Lefzen (zum Beispiel bei Doggenartigen) können nicht die Zähne entblössen. Dafür reicht nur die Haut auf dem Nasenrücken, um gekräuselt zu werden. Das Wedeln mit der Rute ist nur ein Zeichen der Erregung. Das heisst nicht, wie allgemein angenommen, dass er dabei grundsätzlich freundlich gestimmt sein muss. Beim Beurteilen muss man also neben allgemeinen Befindlichkeiten diese arttypischen Varianten einbeziehen, um von einer artgemässen Grundhaltung ausgehen zu können. All diese Parameter bilden ein Gesamturteil. Und auch das ist nur ein vorläufiges. Das
Lautäußerungsverhalten beim Hund Du kannst die Signale danach unterscheiden, mit
welchen Sinnen sie Dein Hund verarbeitet. Die Reihenfolge ist nicht zufällig,
sondern hierarchisch, d.h. ein optisches Signal nimmt Dein Hund viel
besser wahr, als ein akkustisches Signal, (natürlich spielt die Intenstät
auch eine Rolle). Wenn Du Jagdhunde (z.B. Beagles) beobachten kannst, siehst Du wie "nasenorientiert" sich sich durch's Leben bewegen. Bei anderen Rassen fällt das oft weniger auf, aber denoch ist der Geruchssinn der am stärksten ausgeprägteste Sinn Deines Hundes. 2. Berührung - ist für jeden Hund ein
sehr starker Reiz, außerhalb des Rudelverbundes bedeutet plötzliche
Berührung meistens unmittelbare Bedrohung, ein natürlicher Feind, ein
Angriff. Das natürliche Verhalten auf Berührung ist Erstarren,
Angreifen oder Flucht. 3. Optische Signale - nimmt Dein Hund mit den Augen wahr, z.B. ein Handzeichen, Deine Körperhaltung und Mimik, Deine Bewegungen, Nachbars Katze vor dem Fenster, u.v.m. Handzeichen sind sehr gut geeignet um eine Verknüpfung mit einem Verhalten herzustellen. Bewegungen nimmt Dein Hund aber wesentlich besser wahr als starre Signale. Optische Signale sind z.B. bei Prüfungen des VDH außdrücklich in der Prüfungsordnung nicht gestattet, Brüllen dagegen ist nicht verboten. Schon etwas merkwürdig, oder? 4. Akkustische Signale - nimmt der Hund mit dem Gehör wahr, z.B. Deine Stimme, fremdes Hundegebell, Motorgeräusch von Herrchens Auto, Kühlschranktür...Oft hört man auf den Hundeplätzen lautes Gebrüll, das ist vollkommen unnötig, Dein Hund hört sehr gut. Und brüllen um einzuschüchtern (siehe auch Verhalten, P+) hast Du nicht nötig. Versuche bei den Hörzeichen Worte zu finden, die kurz sind und wenig Zischlaute beinhalten. Keine langen Sätze, von denen verarbeitet Dein Hund nur wenige Silben, der Rest ist "Geräuschmüll". Ganz gut sind auch fremdsprachige Wörter geeignet, die kommen im täglichen Sprachgebrauch sonst nicht vor und sind dadurch eindeutiger für Deinen Hund. Kraulen Eine bekannte Hundetrainerin hat einmal während einer Fernsehaufzeichnung bei ihrem Studio Publikum Lachkrämpfe ausgelöst, als sie erklärte, dass es äußerst wichtig sei, männliche Wesen zwischen den Beinen zu kraulen. Gemeint hatte sie damit natürlich Hunderüden und jene Körperstellen, an denen ihnen die Berührung am besten gefällt. Es gibt in der Tat sieben Möglichkeiten, die freundschaftliche Verbundenheit von Mensch und Hund durch physische Kontaktaufnahme zu demonstrieren. In jeder einzelnen stecken verborgene Faktoren, die äußerst interessant und aufschlussreich sind. Wenn wir einem Rüden die Brust kraulen, so etwa zwischen dem Hals und den Vorderbeinen, empfindet er das wirklich als sehr angenehm. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn er eine Hündin besteigt und penetriert, reibt sich seine Brust in einem bestimmten Rhythmus am Rücken seiner Gefährtin. Wenn wir ihn mit der Hand an der Brust kraulen, erinnert ihn das automatisch an die entsprechenden angenehmen Empfindungen. Diese Kontaktform ist vor allem dann zu empfehlen, wenn der Rüde ein besonderes Lob verdient hat. Er empfindet auch großes Behagen, wenn man ihn hinter den Ohren krault und krabbelt. Auch dieses Behagen hat seine Wurzeln im Sexualbereich, denn das Ohr des Partners zu belecken, sich gegenseitig zu beschnüffeln und zu beknabbern gehört zum Vorspiel der caniden Werbung. Wenn man einen Hund, der zum Spielen aufgelegt ist, mit der Hand abwehrt, hat das meistens die gegenteilige Wirkung. Er interpretiert diese Geste nämlich als Teil des Spiels, auf das wir uns wie er glaubt eingelassen haben. Er nähert sich erneut seinem menschlichen Spielpartner und wartet darauf, dass dieser ihn wieder mit der Hand fortstößt. Das Spiel geht weiter und führt mitunter zum sogenannten Spielbeißen, bei dem der Hund die Hand seines Partners vorsichtig mit den Zähnen packt oder ihm sogar erlaubt, seine Schnauze festzuhalten. Solange Mensch und Hund in diesem Spiel sanft miteinander umgehen, kann es die Bindung zwischen ihnen vertiefen, genauso, wie es beim Spiel mit den Wurfgeschwistern der Fall ist. Die wohl häufigste Form des physischen Kontaktes zwischen Hund und Mensch ist der leichte Klaps, das Tätscheln. Diese Bewegung hat für uns besondere Bedeutung, denn sie ist ein Teil des menschlichen Begrüßungszeremoniells. Wenn wir einem Hund den Rücken tätscheln, haben wir unbewusst das Gefühl der Verbundenheit, das sich beim Zusammensein mit einem guten Freund einstellt. Der Hund interpretiert diese bevorzugte Behandlung ganz anders. Hunde klopfen sich untereinander nicht auf den Rücken; also was soll dieser Klaps nun eigentlich bedeuten? Es scheint, als ob Hunde diese Form des Körperkontaktes als eine Art Nasenstupser deuten, der zum Repertoire von Welpen während des Säugens zählt oder im Verhalten von unterlegenen Tieren gegenüber stärkeren beobachtet worden ist. Deshalb muss diese Form des Körperkontaktes für Hunde besonders angenehm sein. Sie sehen darin einen Akt der Unterwerfung, aber da sie wissen, dass wir ihnen überlegen sind, bleibt nur die Möglichkeit, das Verhalten als Beschwichtigungsgeste zu interpretieren. Wenn ein dominanter Hund einem rangniedrigeren die Furcht nehmen will, nähert er sich ihm gelegentlich in einer gespielt submissiven Pose. Und
genau dieses Verhaltensmuster sehen sie in unserem Klaps. Hunde mit
langem seidigem Fell verführen, wie Katzen, zum Streicheln. Diese Form
des Körperkontaktes hat für den Hund allerdings wenig
Bedeutungsgehalt; die sanfte Massage erinnert ihn höchstens daran, dass
die Mutter ihm als winziges Junges sein Fell mit ihrer großen Zunge
liebevoll geleckt hat. Vor allem Kinder suchen eine bestimmte Form des Körperkontaktes
mit Hunden: Sie kuscheln mit ihnen. Im allgemeinen nehmen die Vierbeiner
diesen Liebesbeweis mit erstaunlicher Bereitwilligkeit hin. Er erinnert
sie wohl an die Zeit, als sie sich noch eng zusammendrängten, um die
Sicherheit und Nähe der Wurfgeschwister zu spüren, oder als die Mutter
den Nachwuchs mit ihrem großen Körper wärmte. Viele Hunde mögen es,
wenn man sie am Kopf krault, insbesondere am Kinn. Dies ist eine Art von
Kontakt, die der Hund von sich aus sucht. Hunde, die leicht kleine Entzündungen
im Bereich der Schnauze oder des Zahnfleisches haben, reiben ihren Kopf
gern an den scharfen Kanten eines Möbelstücks. Wenn Herrchen oder
Frauchen ihnen diese Arbeit abnimmt, sind sie dafür äußerst dankbar.
Was Hunde gar nicht mögen, ist die lästige kosmetische Prozedur, die
sie über sich ergehen lassen müssen, bevor sie auf einer
Hundeausstellung vorgeführt werden. Stundenlanges Baden und Frisieren
kann ein Hund nicht verstehen und ertragen. Unterwerfung Diese
Frage ist schnell beantwortet: wie ein Welpe. Die schwächeren Exemplare
vieler Tierarten Schwanzwedeln Oft hört
man sowohl von Laien als auch von Experten, dass Hunde, die mit dem
Schwanz wedeln, uns freundlich gestimmt seien. Diese
Schlussfolgerung ist genauso
falsch wie die Annahme, dass eine Katze, deren Schwanz hin und
herpendelt, wütend sei. Was allerdings sowohl dem Schwanzwedeln
der Hunde als auch der
Katzen zugrunde liegt, ist ein emotionaler Konflikt, der in der Tierwelt
generell durch Hin und Herbewegungen angezeigt wird. Wenn sich
ein Tier in einer
Konfliktsituation befindet, fühlt es sich hin und her gerissen. Es möchte
gleichzeitig angreifen und sich zurückziehen oder sowohl nach
rechts wie nach links ausweichen. Da das eine Bedürfnis das andere
ausklammert, verharrt das Tier
zunächst in gespannter Abwartehaltung. Der Körper oder bestimmte
Körperteile werden, dem einen Drang gehorchend, in die eine
Richtung vorgestreckt, dann
nach einem Moment reglosen Verharrens im nächsten
Augenblick durch eine ruckhafte Bewegung in die Gegenrichtung.
Das hat zu einer breiten
Skala stark ritualisierter Körpersignale innerhalb der verschiedenen
Spezies geführt. Manche Tierarten verdrehen den Nacken, andere
machen sprunghafte Stoßbewegungen mit dem Kopf, wenn sie sich in einem
Konflikt befinden; weitere
Anzeichen für eine Konfliktsituation sind Einknicken der Beine,
Scharren mit den Pfoten, Drehen der Schulterpartie, geduckte Körperhaltung, starres Fixieren des Gegners, steiles Aufrichten des
Schwanzes oder Schwanzwedeln,
das man bei Katzen und Hunden gleichermaßen kennt. Was geht nun wirklich im Kopf unseres schwanzwedelnden Vierbeiners
vor? Im wesentlichen sieht
sich das Tier zwischen zwei einander widerstrebenden
Bedürfnissen hin und her gerissen. Der Impuls, zu fliehen, hat
eine leicht zu erkennende
Ursache: Angst. Der Drang, zu bleiben, ist komplexer, zumal es sich hierbei nicht um ein einzelnes, sondern um mehrere
unterschiedliche Bedürfnisse handelt.
Der Hund möchte vielleicht an Ort und Stelle bleiben, weil er hungrig,
aggressiv, kontaktfreudig oder was auch sonst immer ist. Es ist
nicht möglich, dem nur
eine einzige Bedeutung zuzuordnen. Es ist ein optisches Signal, das
nicht isoliert betrachtet
werden darf, sondern nur im Zusammenhang mit anderen,
gleichzeitig erkennbaren Äußerungen des Hundes richtig gedeutet
werden kann. Immer der Nase nach Hunde sind dem Menschen im
Hinblick auf den Geruchssinn weit überlegen Quelle http://www.zooplus.de
Nachfolgend ein sehr interessanter Artikel aus "Unser Rassehund" Mai/Juni 2001 von Carl Cosack, der sich mit der Ausbildung und Erziehung von Molossern befasst, aber der für alle Hunde zutrifft. Über die Erziehung von Molossern. Schon die Überschrift suggeriert einen Unterschied zwischen Molossern und anderen Hunden. Das ist nicht richtig. Ein Hund ist in erster Linie ein Hund. In der kynologischen Literatur und vor allem in den Köpfen spuken die unrealistischen Vorstellungen herum. Dackel könne man nicht erziehen. Ein Jagdterrier sei nur etwas für Jäger und die Jagd, ein Hund mit großem Jagdinstinkt ist nicht kontrollierbar und eben auch Molosser könnten halt nicht wie andere Hunde gehorchen und sich dem alltäglichen Leben anpassen. Das ist mit Verlaub gesagt alles Blödsinn. Ein Jagdhund beispielsweise muss gerade auch auf der Jagd lenkbar sein. Sicher hat dieser Hund ausgeprägte Jagdinstinkte und dennoch agiert er ganz wesentlich in Interaktion mit seinem Führer. Gerade das gemeinsame Handeln bringt Hund und Jäger den Erfolg. Niemand käme auf die Idee, den mangelnden Gehorsam eines Golden Retrievers mit dessen Rassezugehörigkeit zu erklären. Warum dann etwa bei einem Bullmastiff?! Aus meinem persönlichen Umfeld und von unserem Hundeplatz sind mir die tollsten Geschichten aller möglichen Rassen bekannt. Da ist das Pärchen mit seinem Königspudel, der sich regelmäßig auf Spaziergängen verabschiedet und natürlich „immer wiederkommt“. Manchmal halt erst nach zwei Stunden. Woran liegt das wohl?! - Gleiches Verhalten bei einem Fila Brasileiro mit dessen Jagdleidenschaft zu entschuldigen, entbehrt des Verständnis der Psyche seines Hundes. Der kleine Mischlingshund hört ganz prima, zu hause ist er immer so lieb und auf dem Hundeplatz läuft er exakt seine Wendungen. Er hetzt nur Enten und Schwäne und jagt überhaupt sehr gerne, aber sonst ist er ganz toll erzogen. Da reißen zwei Bouviers sieben Schafe, vollkommen außer Kontrolle geraten, wo doch der Bouvier eher ein Hüte- als Jagdhund ist. Und nach Aussagen einer Züchterin der Inbegriff des „Gute-Laune-Hundes“ nicht der Schafkiller. Die Reihe an Beispielen ließ sich beliebig fortführen all diesen Hunden ist gemeinsam, daß niemand versucht, ihr Fehlverhalten mit der Rasse zu erklären. Hunde sind in erster Linie Hunde. Nicht Vertreter ihrer Rasse. Sicher gibt es für spezielle Aufgaben Spezialisten. Aber das alltägliche Zusammenleben und sehr viele Fähigkeiten, die darüber hinausgehen, kann fast jeder Hund erlernen. Es gibt charakterliche Unterschiede zwischen den Rassen aber ebenso auch zwischen einzelnen Individuen einer Rasse. Deshalb kommt es vorrangig darauf an, den individuellen Zugang zum einzelnen Hund zu finden, nicht jedoch auf das Fixieren auf die Rassezugehörigkeit. Eine erfolgreiche Erziehung des Hundes basiert auf vier Säulen: 1.) Eine enge Bindung zwischen Mensch und Hund. Ein Hund, dessen größtes Glück autonom und nicht aus der Interaktion mit dem Menschen erwächst, ist nur schwer zu motivieren und kann sich kaum auf den Hundeführer (HF) konzentrieren. Ein Hund, der nicht mit seinem Menschen spielt ist schwer verhaltensgestört oder fehlgeprägt und psychisch verkümmert. 2.) Dominanz des Menschen. Man sollte auch außerhalb des Platzes klar wissen, wo der Weg lang geht und wer das Sagen hat, und dies gegenüber dem Hund auch durchsetzen. Der HF muß vermeiden, seinen Hund zu nachsichtig gegenüber zu treten (kein laissez-faire). 3.) Konsequenz. Der Hund braucht ein verläßliches Regelwerk, das möglichst immer gilt. Durch Konsequenz wird die Dominanz gestärkt. Aus Bindung, Konsequenz und Dominanz erwächst Vertrauen. Vertrauen ist die Basis für jede Hundeausbildung. 4.) Motivieren. Besteht eine enge Bindung Mensch-Hund, so will der Hund von sich aus dem Menschen gefallen. Umgekehrt weiß der Mensch, wie er den besten Zugang zu seinem Hund findet. Motivation ist wesentlich effektiver als Druck und sollte gerade auch bei den Molossern die Ausbildung prägen. Generell bedarf es einer großen Portion der Fähigkeit zur Selbstkritik, wenn die Arbeit mit dem Hund erfolgreich verlaufen soll. Letztendlich muß man jedoch selbst entscheiden, wie man dem eigenen Hund am besten gerecht wird. Dies gelingt aber nur, wenn man bereit ist, die Fehler zunächst bei sich zu suchen. Den Molossern mag vielleicht vereinzelt eine sehr stark ausgeprägte Neigung zur Unterordnung fehlen, gerade deshalb ist es um so wichtiger, daß der HF Fehler vermeidet. Ausreden wie „mein Hund ist Molosser, er kann das nicht lernen“ dienen nur dem Selbstbetrug. Die Herausforderung an die Intelligenz und das Einfühlungsvermögen des HF ist es, den individuellen Zugang zu seinem Hund zu finden. Das Eingehen auf die individuellen Neigungen, Stärken und Schwächen des einzelnen Hundes ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Es gibt Menschen, die haben noch nie ein Hundebuch gelesen und kommen mit ihrem Vierbeiner prima zu recht. Dann gibt es andere, die kennen alle Methoden und Theorien kommen aber auf keinen grünen Zweig. Früher hat man versucht, über die Parforce-Dressur Hunde zu gewünschten Verhaltensweisen zu bringen. Selbst diese im wesentlichen auf Gewalt beruhende Methode kam nicht ohne Lob und positive Verstärkung aus. Ein Hund, der über Zwangsapport das Bringen gelernt hat, wird niemals so freudig und zuverlässig bringen wie ein Hund, bei dem im wesentlichen über den Beute- und Spieltrieb gearbeitet wurde. Man sieht es einem Hund förmlich an, wie er ausgebildet wurde. Wahre Spitzenleistungen bringt nur ein Hund, der mit Freude bei der Arbeit ist. Es hat aber schon immer gute HF gegeben, also wird die reine Parforce–Dressur von echten Könnern nie praktiziert worden sein. Entscheidend ist das Verstehen seines Hundes, nicht das Verständnis für seinen Hund. Gleichwertig durchaus aber nicht gleichberechtigt. Heute predigt man gewaltfreie Erziehung. Die Augen werden verdreht, wenn nur die leiseste Andeutung zum Stachelhalsband kommt, ja selbst der Leinenruck ist verpönt. Statt dessen wird eine Art psychologischer Kriegsführung gegen den eigenen Hund empfohlen. Diese Menschen bleiben, wenn sie nicht eiserne Konsequenz und Disziplin beweisen, mit ihren Konzepten auf der Strecke. Es sind die gleichen irrealen paradiesischen Wunschvorstellungen, die die Probleme mit dem eigenen Hund erst evozieren. „Ach unser Bernhard ist so sensibel, der wirft sich immer hin, wenn wir ihn an die Leine nehmen und wenn es draußen regnet, dann können wir nicht in die Stadt fahren. Bernhard mag keinen Regen und ins Auto steigt er auch nur bei Sonnenschein und nicht an einem Montag. Da hat er sich nämlich mal vor zwei Jahren den Kopf gestoßen.“ M.E. sollte man die Dogmen aus dem eigenen Kopf verbannen. Der eine Hund hat in seinem ganzen Leben niemals ein Stachelhalsband benötigt, der andere zieht wie ein Ochse beim Pflügen und bekommt halt eins verpaßt. Es bringt einen Hund nicht um, wenn er nach Aufforderung das Sofa zu verlassen bei Nichtbefolgen auch gewaltsam herunter geschmissen wird. Er wird aber ganz sicher zu Problemen führen, derartiges Verhalten zu tolerieren. Natürlich kann man den großen Zampano spielen und über Motivation und liebe Worte versuchen, sein Ziel zu erreichen. In der Regel sind diese Bemühungen von zweifelhaftem Erfolg gekrönt und verdeutlichen eklatant, daß hier etwas in der Einstellung zum Hund nicht stimmt. Es ist genau diese Form der Hundehaltung die das Kind mit dem Bad ausschüttet. Motivieren und eine enge Bindung sind das A und O in der Hundeerziehung aber eben nur die eine Hälfte. Nur für seinen Hund ein quasi lebendes Spielzeug zu sein, ein lustiger stets verfügbarer Spielkamerad und Futterlieferant reicht nicht aus. Ein Hund kann fast alle Rechte haben, wenn die Führungsrolle geklärt ist. Er kann auch auf dem Sofa und im Bett schlafen. Man muß nicht psychologische Tricks und fein ausgesponnene Mechanismen gegen seinen Hund ins Feld führen. Man muß vor allem sich selbst darüber im klaren sein, wer das sagen hat. Dadurch wird auch die Bindung Halter-Hund gestärkt, und der Hund erhält einen viel größeren Freiraum, als ihm sonst geboten werden könnte. Das Leben mit dem Hund wird für alle Beteiligten einschließlich ihm selbst angenehmer. Man kann mit einem jagdlich geführten Dt. Jagdterrier in einer Großstadt leben und mit zwei Molossern wie dem Fila Brasileiro und dem Dogo Argentino, der zudem auch noch ein originärer Jagdhund ist, querfeldein marschieren ohne daß sich die frei laufenden Hunde verabschieden. Es gibt zu viel schlecht oder gar nicht erzogener Hunde. Das Problem sind nicht wehrhafte Hunde, sondern die unzulänglichen Führungsqualitäten und Kenntnisse ihrer Halter. Ein Hund kann auch im Angriffsverhalten durch seinen HF kontrolliert und gestoppt werden, wenn die Rangfolge für beide Seiten geklärt ist. Entschuldigungsversuche mit Verweis auf die Rassezugehörigkeit kommen einer Bankrotterklärung derselben gleich. Prägung und Haltung von Hunden: Die in der vorangegangen Ausgabe angeführten Betrachtungen zur Grundlage der Erziehung von Molossern sollen hier durch die beiden genannten Aspekte auf eine breitere Basis gestellt werden. Hunde sind, wenn sie zur Welt kommen, ungeschliffene Rohdiamanten. Die ersten 16 –20 Lebenswochen sind von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung. Ein Hund der hier nicht umfangreich die Möglichkeit erhält ein positives Vertrauensverhältnis aufzubauen ist nahe zu irreversibel umweltuntauglich und damit im Extremfall auch nicht lebensfähig. Hier den gesamten Aspekt der Prägung, der Korrelation von Instinktgebundenheit und Umweltoffenheit und der einzelnen Prägungs-/ Entwicklungsphasen anzuführen erspare ich mir. Möchte aber allen Interessenten und jedem Züchter sowie potentiellen Welpenkäufer dringend die Bücher Heinz Weidt, Der Hund mit dem wir leben: Verhalten und Wesen, Hamburg/ Berlin 1993 & Heinz Weidt, Dina Berlowitz, Das Wesen des Hundes, Augsburg1998 empfehlen. Außerdem möchte ich diese Gelegenheit ergreifen einmal den Anstoß zugeben, ob der CfM nicht eine Art Prägungskatalog erstellt, den jeder Wurf durchlaufen sollte und der gewisse Mindeststandards über die bisherige Zuchtordnung hinaus für die Aufzucht von Welpen festlegt. Sind auch die ersten zwanzig Wochen entscheidend für die Entwicklung des Hundes, so ist dennoch das Lernen und damit die Veränderung der Verhaltensweisen des Hundes niemals vorbei. Die meisten Welpen werden zwischen der 8 und 12 Woche (Weidt empfiehlt die 10 Woche) abgegeben. Dies ist ein sensible Phase und der neue Hundehalter sollte sich seiner Verantwortung gegenüber seinem Hund aber auch seiner Umwelt deutlich bewußt werden. Sicherste Garantie einen umfassend geprägten und umweltoffenen Hund zu erhalten ist es ihn überall am täglichen Leben teilhaben zu lassen. Der Alltag bringt so viele unbekannte Situationen mit sich, daß es nur sehr schwer möglich sein dürfte den Hund auch nur annähernd so umfassend gezielt ähnlichen Situationen auszusetzen, wenn die Teilnahme am Alltagsleben verwehrt bleibt. Ergo: der Hund gehört zu seinen Menschen und sollte möglichst überall dabei sein. Daraus folgt auch, daß sich eine reine Zwingerhaltung verbietet. Verbot der Zwingerhaltung wäre auch ein wirklicher sinnvoller Ansatz die Gefahr durch gefährliche Hunde zu minimieren. Zeitweises Wegsperren in einer Zwinger ist tolerabel und bietet sogar gewisse Vorteile. Ein Hund ist in einem großen Zwinger mit Aussenbereich sicher besser untergebracht als in einer dunkeln Wohnung. Gerade Molosser lieben es zu ruhen und ihre Umwelt zu beobachten. Dafür bietet ein entsprechender Zwinger gute Möglichkeiten. Ein Zwinger kann auch bei großer Hektik, Gesellschaften etc. den Hund vor Reizüberflutung schützen. Aber hier ist schon wieder Vorsicht geboten, denn prinzipiell sollte der Hund so gut sozialisiert sein, daß es eines Wegsperren nicht bedarf. Und jede Reizminimierung stellt auch eine vertane Chance dar, den Hund umwelttauglich zu erziehen. Das echte Zusammenleben mit dem Hund ist auch der einzige Weg für gegenseitiges Vertrauen. Wie soll ein Hund komplexe und unbekannte Situationen differenzieren, wenn er sie nicht kennt? Zeigen sie sich ihrem Hund mit einem Handtuch um den Kopf, hinken sie lassen sie sich zu Boden fallen, zeigen sie sich ihm unbekleidet, streiten sie sich vor ihrem Hund oder simulieren sie einen Streit. Klappern sie extra laut mit Töpfen und Pfannen usw. Alle die hier beispielhaft angeführten Situationen und viele mehr, ergeben sich im engen Zusammenleben mit dem Hund fast automatisch. Eines noch zur Zwingerhaltung, Nachts gehört der Hund ins Haus. Zu den Märchen der Kynologie gehören auch zahlreiche gutgemeinte Ratschläge: „Legen sie sich niemals unter ihren Hund“ –falsch! Legen Sie sich unter ihn, spielen Sie mit ihm auf allen Vieren, werden Sie selbst zum Hund. Das Band zwischen Halter und Hund sollte so stark sein, das es nicht an der Körperhaltung des Menschen hängt. Was passiert denn, wenn man einmal stürzt und der Hund kann diese Situation nicht deuten oder sieht sich in eine Lage versetzt, die er zu seinen Gunsten ausnutzt. Auch die Mutterhündin, der erziehende Rüde oder irgendein dominanter Hund legen sich im Spiel auf den Rücken und bieten ihre Kehle da. Warum soll das für den Menschen nicht möglich sein, wenn die Beziehung Mensch-Hund intakt ist. Kämpfen Sie mit ihrem Hund und lassen sie ihren Hund auch gewinnen. Ziehen sie ihn hoch im Spiel, versetzten Sie ihn in eine Reizlage und beenden Sie das Spiel wieder. Testen Sie ihren Hund aus. So erwächst vertrauen zwischen Hund und Halter. Nicht die peinliche Vermeidung allermöglichen Situationen kann der richtige Weg sein sondern ihre Beherrschung. Kann der Halter seinen Hund aus aufgeputschter Stimmung auch wieder zur Ruhe bringen kann er ihn auch in schwierigen Situationen beherrschen. Kontrolliertes Risiko ist das Schlagwort für die Prägung des Hundes. Nicht die Vermeidung die letztendlich sowie so nicht möglich ist aller Konflikte. Ein weiteres Beispiel sind Apportierspiele. Einige Halter vertreten die Auffassung, ein Hund dürfe das Apportieren nicht erlernen; denn er verfolge ein Objekt (weggeworfener Stock), gewöhne sich so das Hetzen an und gleichzeitig durch Zupacken und Schütteln, das Jagen und Töten. Dabei bietet gerade das Apportierspiel große Möglichkeiten für die Hundeerziehung. Der Hund kann viele Triebe befriedigen, das Spiel funktioniert nur in Interaktion mit dem Halter. Apportiert der Hund nicht ist das Spiel zu Ende. Behält der Hund das Bringsel ist das Spiel auch zu Ende. Er lernt also spielerisch sich dem Halter unterzuordnen und seine „Beute“ abzugeben. Der Halter hat die zusätzliche Chance, Spannungskurven aufzubauen, zu halten und zu lösen. Der Hund abgelegt oder sitzend sieht das Bringsel fortfliegen, muß aber dennoch warten, bis er los geschickt wird. Dies allein stellt schon eine Erlösung für den Hund da und damit Belohnung. Der Gehorsam wird spielerisch ausgebaut, der Hund sicherer. Kann der Hund das Bringsel nicht mehr sehen, muß er seine Nase einsetzen um es zu finden. Das verlangt vom Hund hohe Konzentration und lastet ihn weiter aus. Ein Hund der das Apportierspiel sicher beherrscht ist unter Garantie ein besser erzogener Begleiter als sein aus falschem Verständnis um diese Möglichkeit des Lernens betrogene Artgenosse. Einen weiteren Punkt zur Haltung und Prägung von Hunden möchte ich hier noch ansprechen. Das Halten von mehren Hunden. M.E. sollte sowohl die Zwinger wie auch die Einzelhundhaltung unterbleiben. Hunde sind trotz aller Bindung an den Menschen auch auf innerartliche Kontakte angewiesen. Auch sogar bei Rudelhaltung ist der Kontakt zu weiteren Artgenossen wünschenswert. In den meisten Fällen wird dies aber nicht ausreichen. Mehrhundhaltung verbessert das Sozialverhalten des einzelnen Hundes. Mehrhundhaltung eröffnet auch dem Halter die Chance, viel über Hunde allein durch Beobachten zu lernen. Es müssen ja nicht gleich zwei Molosser sein. Auch der kleine Jack-Russelterrier ist eine prima Ergänzung zum großen Hund. Positiver Nebeneffekt ist das andere Hundehalter, die evtl. mit Ressentiments unseren Hundehaltern entgegentreten, diese schneller abbauen, wenn sie sehen, wie liebevoll der Molosser mit dem Kleinhund umgeht. Wichtiger aber ist das ein Hundeleben mit einem Artgenossen besser wird. In diesem Sinne ist es auch höchst fraglich, ob die zumeist auch noch höhere Besteuerung des Zweithundes nicht tierschutzrelevantes Gebaren beinhaltet. Die Verantwortung für das Leben und die Entwicklung unserer Hunde liegt in unseren Händen. Carl Cosack |